Peter Lorenz English smaller fonts Simulation und Animation

2.4. Präsentationen

Fertige Animationen kann man zu Präsentationen zusammenfügen. Präsentationsfiles sind mit Drehbüchern vergleichbar. Sie können Ausschnitte aus Animationen auswählen und Bilder einblenden. Sie können aber auch ein Menü anbieten, aus dem der Nutzer selbständig auswählen kann. Präsentationsfiles schreibt man mit einem beliebigen Editor. Sie werden im Present-Modus geladen und verarbeitet.

Present-ModusTop Line

Um eine Präsentation vorzuführen, benötigt man ein Presentation-Script-File. Wenn man dessen Vorhandensein voraussetzen kann, wählt man den Present-Modus und danach Open Presentation im File-Untermenü. Um einen ersten Eindruck einer Präsentation zu vermitteln, wird folgendes Präsentationsfile vorgestellt:

Wait Good Morning
Run sa27
Wait Good Bye
End
Pause Box
Diese Präsentation startet mit der Nachricht Good Morning, die in einer kleinen Box erscheint. Diese Nachricht bleibt stehen, bis der Nutzer das OK-Button betätigt. Damit wird das nächste PSF-Kommando gerufen. Es bewirkt den Start einer Animation mit den übereinstimmenden Layoutfile- und Animationstracefilenamen sa27. Nach Abschluß des Animationslaufes wird das dritte PSF-Kommando aktiv und gibt die Nachricht Good Bye aus.
Pause Box

Präsentationen werden in Präsentationsfiles beschrieben. Das sind Textfiles mit der Namenserweiterung .psf. Sie werden gestartet, indem man im File-Submenü Open Presentation selektiert.
Im Present-Modus erscheint im rechten Teil der Werkzeugleiste das Present-Menü.


Strukturierung von PräsentationenTop Line

Proof erlaubt lineare und hierarchische Strukturen von Präsentationen. Eine lineare Präsentation besteht aus einer Liste von Kommandos, die von oben nach unten abgearbeitet werden. Das obige Beispiel hat lineare Struktur; der Nutzer kann jeweils einen Schritt vorwärts oder zurück gehen. In einer hierarchischen Struktur sind die Kommandos als Gruppe oder Baum organisiert, die optional Untergruppen enthalten kann. Der Nutzer kann frei navigieren und die gewüschten Abschnitte auswählen.

Lineare Präsentationen

Wenn eine Präsentation keine Gruppen oder Untergruppen enthält, wird sie linear genannt. Das ist eine geordnete Liste von Kommandos. Die Kommandos werden in der Reihenfolge ihres Auftretens einmal ausgeführt, falls nicht der Nutzer eingreift.

Hierarchische Präsentationen

Die Struktur einer hierarchischen Präsentation erscheint in Proof als ein Baum, der es dem Nutzer erlaubt, einzelne Schritte der Präsentation auszuwählen und Untergruppen zu öffnen oder zu schließen.

Navigationsfenster und Navigationsbäume

Wenn eine group-Anweisung ausgeführt wird, erscheint ein Navigationsfenster, dessen Titel in dieser Anweisung spezifiziert wurde. In diesem Fenster sieht man einen Navigationsbaum. Seine Knoten entsprechen den subgroup-Anweisungen, seine Blätter den item-Anweisungen.

Example of a Small Presentation File

Navigation Window 1
title Presentation Demo
wait Show the menu!
group Place and Move Objects
	item Show L1 as bitmap
		slide L1.bmp
	item Show the motion of two objects
	 	run L23
	subgroup Motion on Paths
	 	item Path Mode
	 		slide Path2.bmp
	 	item Move on a Path
	 		run Path2.lay Path2.atf 20 30
	endsubgroup
endgroup
end
	endsubgroup
endgroup
end	 

Navigation Window 2

Beim Öffnen des Navigationsfensters sind die Submenüs geschlossen. Wenn man auf das Symbol + klickt, öffnet sich das Submenü und das Fenster erscheint so wie im zweiten Bild.


Anweisungen zur Strukturierung einer Präsentation

AnweisungFunktion
item Identifiziert Aktion, die im Menü wählbar ist
group Anzeige eines Menüs von Items und Submenüs
endgroup Abschluß des Top-Level-Menüs
subgroup Identifiziert Beginn eines Submenüs
endsubgroup Abschluß eines Submenüs
title Titel für die Titelleiste im Proof-Hauptmenü
end Abschluß des PSF-files
* Beginn einer Kommentarzeile ohne Effekt

Aktionen in Präsentationen Top Line

Im vorigen Abschnitt ist die Strukturierung einer Präsentation beschrieben worden. In diesem Abschnitt geht es um die inhaltliche Gestaltung. Dafür stehen die folgenden sechs Anweisungen zur Beschreibung auszuführender Aktionen bereit.

Anweisungen zum Start von Aktionen

CommandAction
run Start eines Animationlaufes oder eines Ausschnittes
slide Anzeige eomer .bmp, .rtf oder .pcx-Datei
play Abspielen einer WAV-Datei
syscall Aufruf eines anderen Programms
waitSpezifikation einer Wartezeit oder Warten auf OK
wipe Löschen des Bildschirminhaltes
exit Verlassen einer Präsentation und Übergang zu einer anderen

Diese Anweisungen für Aktionen werden im Folgenden beschrieben.

Run
ist ein PSF-Kommando zur Spezifikation eines Animationssegmentes. Die Syntaxdarstellung lautet:
Run special_effect {layoutfilename [tracefilename]}
[view viewname ] [speed speed ] [[startingtime] endingtime ]
special_effect kann benutzt werden, um die Animation zu beginnen. Verfügbar sind: checkerboard, dissolve, sunrise, venetian, vvenetian.
layoutfilename muß angegeben werden, wobei die Namenserweiterung .lay weggelassen werden darf. Wenn der tracefilename damit übereinstimmt, kann er weggelassen werden.
tracefilename Name des Animationstracefiles, wobei die Namenserweiterung .atf oder .ptf angenommen wird
viewname Optional: Name der View, welche anstelle der home-View präsentiert werden soll. Wenn er Leerzeichen enthält, muß er in Anführungszeichen eingeschlossen werden.
speed Optional: Animationsgeschwindigkeit. Defaultwert ist die im Layoutfile vermerkte Geschwindigkeit.
startingtime Optional: Startzeit, die anstelle der Zeit 0 benutzt werden soll
endingtime gibt den Animationszeitpunkt an, wo abgebrochen werden soll.

Statische Bilder, die als Bitmaps vorliegen, und Dateien im RTF-Format können mit dem Kommando Slide in eine Proof-Präsentation einbezogen werden.

Slide
ist ein PSF-Kommando zur Anzeige von Bildern. Wie schnell ein Bild wieder verschwindet, hängt von den Kommandos ab, die auf Slide folgen. Meist folgt nach dem Slide-Kommando ein Wait. Andernfalls kann das gezeigt Bild sofort durch die nachfolgende Aktion überschrieben werden. Die Syntaxdarstellung lautet:
Slide [stretch] [special_effect] imagefilename
stretch Ausweiten oder Einschränken des Bildes entsprechend dem verfügbaren Platz
special_effect graphische Effekte beim Öffnen des Bildes. Verfügbar sind: checkerboard, curtain up, curtain updown, dissolve, sunrise, venetian, vvenetian
imagefilename ist der Name des Files.

Das Play-Kommando dient dem Abspielen von Audio-files im WAV-Format. Man kann z. b. Begleitmusik, Geräusche oder gesprochene Eerläuterungen in eine Präsentation einbeziehen. Übrigens gibt es auch ein Play-Kommando für ATF-Files.

Play
ist ein Kommando zum Abspielen von WAV-Files. Die Syntaxdarstellung lautet:
play [asynchronous] filename
Filenamen, die Leerzeichen enthalten, müssen in Anführungszeichen eingeschlossen sein. Das Schlüsselwort asynchronous bewirkt, dass das Abspielen den Ablauf der Animation überlappt. Wenn es nicht angegeben ist, wird die Ausführung der Präsentation ausgesetzt, bis das Abspiel fertig ist. Laufendes asynchrones Abspielen kann beendet werden durch play off.

Für Pausen und Wartezeiten der Präsentation nutzt man das PSF-Kommando Wait.

Wait
ist ein PSF-Kommando, mit dem Pausenzeiten in Präsentationen eingefügt werden. Es ist in den folgenden drei Varianten anwendbar:
wait
wait time_delay
wait [time_delay] text_string

Wenn die erste Variante benutzt wird, erscheint PRESENTATION PAUSED in der Titelleiste von Proof. Die Präsentation wird unterbrochen und erst dann fortgesetzt, wenn der Nutzer eine der Tasten der Werkzeugleiste drückt.
time_delay gibt eine Wartezeit in Sekunden an.
text_string ist eine Nachricht, die in einem Fenster erscheint. Sie darf nicht mit einer Zahl beginnen: Diese würde als Pausenzeit interpretiert.

Oftmals ist es nützlich, während einer Proof-Präsentation andere Windows-Programme zu rufen.

Syscall
ist ein PSF-Kommando, mit dem man beliebige Programme rufen kann. Die Syntaxdarstellung lautet:
Syscall program name [program arguments].
SYSCALL gpssh expl1.gps    ruft gpssh mit der Eingabedatei expl1.gps 

An der oberen Bildschirmkante kann man einen Titel der Präsentation angeben.

Title
ist ein PSF-Kommando, das die Standard-Kopfleiste von Proof durch eine nutzerdefinierte Leiste ersetzt. Die Syntaxdarstellung lautet:
Title textstring
tetxtstring
ist eine beliebige Zeichenkette, die den Default-Text Student Proof Animation ersetzt.

Um einen allmählichen Übergang zwischen Teilen der Präsentation zu gestalten, benutzt man das Wipe-Kommando.

Wipe
ist ein Kommando zu Gestaltung eines allmählichen Übergangs zu einem einfarbigen Bildschirm. Die Syntaxdarstellung lautet:
Wipe color checkerboard | curtain up | curtain down | curtain updown | dissolve | random | fade | venetian | vvenetian.

Um eine Präsentation zu verlassen und eventuell zu einer anderen überzugehen oder um Proof zu beenden, verwendet man das PSF-Kommando Exit.

Exit
ist ein PSF-Kommando zum Verlassen der aktuellen Präsentation. Die Syntaxdarstellung lautet
Exit [filename | system].
  • Ein Exit-Kommando ohne filename oder system beendet die aktuelle Präsentation; aber Proof bleibt aktiv.
  • Wenn exit system angegeben ist, wird die Ausführung von Proof beendet und das Proof-Window verschwindet.
  • Wenn exit filename angegeben wird, springt Proof zu dem spezifizierten Skriptfile und started seine Ausführung. Falls keine Dateinamenserweiterung angegegeben ist, wird .psf angenommen.

Beispiel einer PräsentationTop Line

Die im Abschnitt 2.1. vorgestellten Beispiele sollen in eine Präsentation eingefügt werden. Dort sollen sie in beliebiger Reihenfolge abrufbar sein. Es wird angenommen, dass Beispiele aus Abschnitt 2.1.1. in einem Ordner 211, aus Abschnitt 2.1.2. im Ordner 212 usw. gespeichert sind. Wenn man diese Präsentation nachvollziehen will, kann man sie als zip-File downloaden und die im Ordner 24 enthaltene Präsentation Chapter2.psf starten.
title Present the Examples of Chapter 2
group Select an Example
	item Show Chapter 2 as RTF
		slide Chapter2.rtf
	item Section 2.1. Lines and Arcs 
		wait This Section contains a layout example without trace. Display it?
		slide "..\21\L1.bmp"
	item Section 2.2. Object Classes and Objects
		wait Layout 1 with 3 objects
		run "..\22\L1.lay"	
	subgroup Section 2.3. Animation Time and Commands
		item Move two objects
			run "..\23\L23"
		item Move a car with rotating wheels
			run "..\23\car"
		item Move bubbles
			run "..\23\bubbles"	
	endsubgroup
	subgroup Section 2.4. Motion on Paths
		item Move two objects on two different Paths
			run ..\24\Path2
		subgroup Move two objects on the same Path
			item Move two objects on a circular non-accumulating Path
				run ..\24\Path3.lay Xp1.atf
			item Move two objects on an accumulating Path
				run ..\24\Path3.lay Xp2.atf	
			item Move a directional and a non-directional object on a circular Path
				run ..\24\Path3.lay Xp3.atf								
		endsubgroup	
	endsubgroup
	subgroup Section 2.5. Mesages, Bars and Plots
		item Moving Bars
			run "..\25\4bars"
		item Plot
			run "..\25\plot" 	
	endsubgroup
	item Section 2.6. Views and Windows
		run "..\26\26c.lay" view Splitted
	item Section 2.7. Presentations
		exit "27a.psf"
endgroup
end	

Kontrollfragen Top Line

  1. Wozu dient der Present-Modus von Proof?
  2. Welche Möglichkeiten hat der Nutzer einer Proof-Präsentation, in deren Ablauf einzugreifen?
  3. Welche Funktionen stehen im Present-Modus zur Verfügung?
  4. Erläutern Sie Basis-Funktionen des Present-Modus!
  5. Wie bindet man Bilder in eine Proof-Präsentation ein?
  6. Wie kann man Ausschnitte einer Animation in eine Präsentation einbinden?
  7. Wie organisiert man Pausen einer Präsentation?
  8. Wie kann man während einer Präsentation andere Programme rufen?
  9. Was ist zu tun, um Submenüs anzubieten?
  10. Wie kann man von einer Präsentation zu einer anderen übergehen?
  11. Wie kann man eine Präsentation mit endlosem Lauf organisieren?

Abschlußbemerkungen zum Kapitel 2 Top Line

Proof Animation ist im zurückliegenden Kapitel nur an wenigen, elementaren Beispielen eingeführt und erklärt worden. Alle Animationstracefiles (ATF) und alle Präsentationsfiles (PSF) sind manuell mit einem Texteditor geschrieben worden. Für anspruchsvolle Animationen großer Systeme ist dieser Weg ungeeignet. In den folgenden Kapiteln wird es um die Frage gehen, wie man Animationsfiles durch Programme erzeugt. Das Kapitel 3 führt in die Programmiersprache von GPSS/H ein. Es ist eine Basic-ähnliche Sprache. Man benötigt ihre Kenntnis, um die Übungsaufgaben (Assignments) der Serie 1 zu bearbeiten. Bei ihnen geht es schon um die Erzeugung oder Generierung von Tracefiles mit Hunderten von Kommandos. Erst im Kapitel 4 wird es um eigentliche Simulationsmodelle gehen, mit denen man beliebig viele zeitlich konkurrente Teilprozesse in rationeller Weise beschreiben und modellieren kann. Dazu entsprechende Animationen zu gestalten ist eine anspruchsvolle Aufgabe, die sich auf Kenntnis aus dem zurückliegenden Kapitel 2 stützen wird.
Einen visuellen Einblick in Proof-Animationen praktisch interessanter Systeme findet man im Abschnitt 1.


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