Anatomie der Hals-Nackenregion

Die Halslymphknotenausräumung (sog. Neck dissection) stellt einen der umfassendsten chirurgischen Eingriffe am Hals dar. Intraoperativ werden je nach Ausdehnung der Lymphknotenausräumung nahezu alle wichtigen anatomischen Strukturen tangiert. Folgende anatomische Strukturen sind wesentlich:


  • die Lymphknoten (Nodi lymphatici cervicalis) (1),
  • die Arterien:    A. carotis communis (2), A. carotis externa (3),  A. carotis interna, A. thyreoidea superior (5), A. lingualis (6), A. facialis (7),
  • die Venen:    V. jugularis interna, V. jugularis externa, V. facialis,
  • die Nerven:    N. accessorius (11), N. hypoglossus (12), N. vagus
  • die Muskeln: M. sternocleidomastoideus (15), M. digastricus (16), M. omohyoideus (17) sowie
  • die Unterkieferdrüse(Gl. submandibularis)  (19), die Ohrspeicheldrüse (Gl. parotidea) und Platysmas (22).

Bild 1: Verlauf der Gefäße und Nerven im Halsbereich
Quelle: Waldeyer und Mayet [1987]

Jährlich kommt es in Deutschland zu etwa 10 000 Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren im Bereich Mund, Nase und Hals (etwa 8000 für Männer und 2100 für Frauen). Diese Tumoren haben bei Männern einen Anteil von 3% - 4% und bei Frauen von etwa 1% an der Gesamtkrebssterblichkeit (Quelle: DKFZ).

In den Lymphknoten des Halses treten bei diesen Tumoren oft Metastasen auf, die wenn möglich, chirurgisch entfernt werden. Ziel des Projektes ist die Planung dieser Lymphknotenausräumungen (diese sind in der Regel komplizierter als die Operationen des Primärtumors).

Halsoperationen zur Behandlung von Lymphknotenmetastasen

Bösartige Tumoren des oberen Aerodigestivtraktes führen überwiegend zu lokoregionären Metastasen der Lymphknoten des Halses (Wahrscheinlichkeit > 50% ) (WERNER et al. [2002a]). Die Metastasen sind schwer nachweisbar und bleiben selbst bei intensivster Bildgebung oft unerkannt.

Deshalb ist die chirurgische Therapie auf die Entfernung des Tumorgewebes und der Lymphknoten des Halses ausgelegt. Die individuelle chirurgische Strategie basiert auf onkologischen Leitlinien, die die Lokalisation und Tumorklassifikation berücksichtigen. In der Regel wird die Indikation zur Halslymphknotenausräumung (Neck dissection) sowohl bei nachgewiesenen Metastasen (therapeutisch) als auch bei Befunden ohne suspekte Halslymphknotenvergrößerung gestellt. Man unterscheidet:

Superselektive Neck Dissection:
einzelne Lymphknoten (sentinel lymph node) werden entfernt, eher zu diagnostischen Zwecken
Selektive Neck Dissection:
häufigste Form, Lymphknotenfettgewebspräparat wird entfernt
Modifiziert radikale Neck Dissection:
bedarfsgerecht angepasste Zwischenform zwischen radikal und selektiver Neck dissection
Radikale Neck Dissection:
Operation der Metastasen einschließlich der Entfernung bzw. Unterbindung von V. jugularis interna, M.sternocleidomastoideus, N.accessorius; selten

In der Neck Dissection stellen sich präoperativ folgende Fragen:

  1. Welche Lymphknoten (-gruppen) sind von Metastasen betroffen?
  2. Welche anliegenden Strukturen sind in die Metastase einbezogen?
  3. Sind die funktionell bedeutenden Strukturen durch die Metastase erreicht oder liegt auf der gesamten Länge genügend Sicherheitsabstand vor? Besonders bedeutsam ist dies für A. carotis communis/interna; V.jugularis interna; N.accessorius; N.hypoglossus.

Bisher werden diese Fragen anhand der axial-planaren Schichten des Hals-CT und der klinischen Untersuchung beantwortet. Dabei kommt es immer wieder zu Abweichungen der präoperativen Einschätzung und dem intraoperativen Befund. Unbewusst wird dabei in vielen Fällen eine explorative Vorgehensweise gewählt und die Operation bei Infiltration der Gefäße modifiziert oder abgebrochen. Dadurch wird der Patient einer unnötigen Belastung unterzogen, es kann zu Stoffwechselaktivierungen des Tumors mit nachfolgender Größenprogredienz oder zu intraoperativen Komplikationen kommen.